Arbeitsgruppe: Processes & ICT (Prozesse und Informations-/Kommunikationstechnologien)

Unikate

In der Bauwirtschaft wird die Unsicherheit von Prognosen bezüglich Kosten und Fertigstellungsterminen generell nicht bestritten. Sie wird zurückgeführt auf die Besonderheit jeden einzelnen Projekts als Unikat und die damit verbundenen Unwägbarkeiten. Insbesondere wird das für jedes Projekt eigene spezifische Umfeld, wie etwa Lage und Umwelt, Logistik, die jeweils unterschiedlichen Projektbeteiligten, geologische und technische Randbedingungen etc. stets als Begründung für instabile Projektabläufe herangezogen.


Zusätzlich hat die operative Komplexität von Bauvorhaben, wie auch das technische Niveau und der Termindruck enorm zugenommen. Aus diesem Grund sind schon über die Vielzahl der Gewerke sehr viele Projektbeteiligte innerhalb des Unternehmens, aber auch über die Unternehmensgrenzen hinaus miteinander optimal zu koordinieren. Die absolute Optimalität einer Planung unter diesen Wechselwirkungen steht in direktem Zusammenhang mit der Sensitivität des Gesamtablaufes gegen Variationen, also gegen Störungen.

 

Prognostizierbarkeit

Es steht zu vermuten, dass in herausragender Weise durchgeplante Abläufe über ihre immanente hohe Störanfälligkeit letztlich weit vom Optimum entfernt abgewickelt werden. Andererseits besteht eine Tendenz, Planungen nur ungenau vorzunehmen um der Volatilität a priori Rechnung zu tragen. Solche Abläufe sind zwar stabil, aber ebenfalls nicht optimal, genauer: Das Optimum ist nicht einmal bekannt.


Offensichtlich ist die mangende Prognostizierbarkeit von Kosten und Fertigstellungsterminen zu einem hohen Anteil gerade auf das nur "lose" Zusammenwirken der Beteiligten zurückzuführen.

 

Nicht nur aus der mangelnden Vorhersehbarkeit selbst, sondern insbesondere aus dem daraus resultierenden zwangsläufigen Puffern und Leerlaufzeiten wie auch aus den Fehlabstimmungen mit ihrem Beseitigungsbedarf entstehen enorme direkte Kosten, die zu den Kosten aus Zeitverlusten für den Investor wie für das Unternehmen die Rentabilität des Projektes in Frage stellen.


Prozessorientierung

Nachdem der grundsätzliche Unikatscharakter von Investitionsprojekten nicht in Frage zu stellen ist, muss ein Weg gefunden werden, ausserordentlich detaillierte Planungen mit vergleichweise geringem Aufwand - gemessen am Einsparpotential - und wohldefinierten, quantifizierbaren Reaktionsmechanismen auf Störeinflüsse zu erstellen. Dies kann sicher nicht auf herkömmlicher Basis unabhängiger Kalkulation und Ablaufplanung, sondern nur auf einer abstrakteren Ebene geschehen.


Es sind Methoden der Prozessorientierung auch im Bauwesen zu etablieren, die eine Standardisierung der Abläufe in hohem Detaillierungsgrad zulassen und dennoch auf jedes denkbare Projekt unmittelbar anzuwenden sind. Dabei geht es nicht um eine Vereinheitlichung der produktiven Prozeduren, sondern um Prozesse, die die Wertschöpfung aus einem Input in einen Output unter Einsatz von abstrakten oder konkreten Resourcen konvertieren, kontrollieren und diese damit planbar und berechenbar machen.

 

Ziel

Dieses Vorgehen hat also nicht das Produkt direkt im Blickfeld, sondern vielmehr die Qualität des Produktes durch eine Sicherstellung der Qualität der Herstellungsprozesse wie der zugehörigen Überwachungsmechanismen. Auf diese Weise wird nicht nur der Planungsprozess an sich ver-einfacht, qualitätsgesichert und standardisiert, auch die Controllingmechanismen, die auf die Planung aufsetzen - bis hin zur mangelfreien Übergabe und Gewährleistungsabwicklung - können auf einer gesicherten Basis wirken und das Projekt mit erheblich höherer Prognostizierbarkeit zum Ziel führen.

 

Für (weitergehende) Informationen wenden Sie sich bitte an den Leiter der Arbeitsgruppe Processes & ICT, Herrn Prof. Dr. Josef Zimmermann.